Die „Alte Klus“

Die Klus wurde erbaut im Jahre 1818.

Am Türsturz befindet sich die Inschrift: Psalm 26 Vers. 8: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnet“.

Zur Klus

Frotheim gehörte zu der Zeit zum Kirchspiel Gehlenbeck, daher mussten die Frotheimer zu kirchlichen Anlässen nach Gehlenbeck, wo auch ihre Toten bestattet wurden. Somit waren die Frotheimer Bürger schon um die Jahrhundertwende bemüht einen eigenen sakralen Bau, der Voraussetzung für einen eignen Friedhof war, zur errichten. Trotz der im Jahre 1818 herrschenden Armut beschloss man, mit dem Kapellenbau zu beginnen. Um den Bau zu finanzieren, wurde in Frotheim von Haus zu Haus gegangen und eine nicht geringe Summe freiwilliger Gaben gesammelt. Auf der Spendentafel sind die Spender namentlich aufgeführt. Die Kapelle wurde in 1818 mit 1.200 Reichstalern Baukosten zustande gebracht. Die feierliche Einweihung erfolgte am 9. August 1818. Die Kapelle ist ein schlichter Fachwerkbau mit 3-seitigem Chor und einem Glockenreiter über der Fassade. Das innere bildet einen schlichten Raum, der Boden ist mit Ziegelsteinen ausgelegt. Im dreiseitigen Chor befindet sich der Altar, darüber die Orgel und vor dem Chor an der Südseite die Kanzel. Das Gestühl ist noch im Originalzustand erhalten. In den 60er Jahren diente die Klus nur noch behelfsmäßig als Beerdigungskapelle und wurde nach dem Bau der neuen Friedhofskapelle nicht mehr gebraucht. Das Bauwerk drohte mehr und mehr zu verfallen. Da die Kapelle nicht verschlossen war, wurden in dieser Zeit vermutlich die seitlich neben dem Altar befindlichen Engel, auch Putten genannt, gestohlen. Auf Initiative des Landeskonservators von Westfalen, der sich intensiv um die Erhaltung und Wiederherstellung der Klus bemühte, wurde 1975 unter Bereitstellung von 43.200 DM von der Stadt Espelkamp die Kapelle grundlegend Renoviert und wieder hergestellt. Die Renovierung des morsch gewordenen Westgiebels, erfolgte im Jahre 1987. Seit dem erstrahlt die alte Klus äußerlich wieder im alten Glanz. Dass die Frotheimer stolz auf die alte Klus sind, belegen die vielen Veranstaltungen und Besuche.

Zur Orgel

Um den Gemeindegesang in der Klus zu verbessern, kaufte der damalige Lehrer Detering im gleichen Jahr, also 1818, vom Gut Hüffe für 80 Reichstaler die im Jahre 1791 gebaute Orgel. Baumeister der Orgel war vermutlich  Georg von Quellhorst (Geselle bei Eberhard Berners – Lavelsloh)
Die Orgel war um die Jahrhundertwende  in einem derart desolaten Zustand, dass sie nicht mehr repariert wurde. Als Ersatz wurde ein Harmonium angeschafft. 1935 konnte der damalige Pfarrer Reinicke die Kirchenvertretung überzeugen, die Orgel reparieren zu lassen. Sie wurde für 600 Mark wieder instandgesetzt und hat in der Klus ihren Dienst bis zum Bau der neuen Friedhofskapelle im Jahre 1970 ihren Dienst getan. Sie wurde 1999 durch die Fa. Speith-Orgelbau aus Rietberg restauriert. Dabei wurde die Mixtur rekonstruiert und ein neues elektrisches Gebläse als Alternative zur mechanischen Schöpfanlage eingebaut. Zurzeit steht eine erneute Überholung der Orgel an. Die Dorfgemeinschaft und die Stadt Espelkamp sind derzeit dabei, Angebote einzuholen und die Finanzierung für die Überholung zu sichern.

Zur Glocke

Die im Glockenreiter angebrachte Glocke, früher auch Betglocke genannt, stammt aus dem Jahre 1790. Sie ermahnte die Gemeindemitglieder dreimal zum täglichen Gebet, rief die Bewohner zum Gottesdienst, begleitete die Toten auf ihrem letzten Weg. Die Glock trägt die Inschrift: „Goss mich Heinrich Wilhelm Altenburg in Bückeburg 1790“. Während des 2. Weltkrieges sollte die Glocke eingeschmolzen werden, kehrt aber wohlbehalten zurück. Mit dem Bau der Grundschule in Frotheim wurde diese Glocke in den Schulturm eingebaut, um für das Pausengeläut eingesetzt zu werden. Gleichzeitig wurde die Klus mit einer größeren, aus der Kirche in Isenstedt stammenden, Glocke ausgestattet. Diese wiederum wurde mit dem Neu-bau der Friedhofskapelle Anfang der 70er Jahre in die neue Kapelle eingebaut. Auf Initiative der Dorfgemeinschaft wurde die alte Glocke aus der Grundschule wieder an ihrem alten Platz angebracht. Am 1. Januar 2005 erfolgten im Neujahrsgottesdienst die Wiederinbetriebnahme und die Wiederweihe der Glocke.

Zu den Engeln

Mit der Glockenrückführung fehlten jetzt nur noch die Engel, um die alte Klus wieder aller Vollständigkeit der früheren Zeit erstrahlen zu lassen. Ein Aufruf an die Bevölkerung zum Verbleib der Engel brachte keinen Erfolg. Die Dorfgemeinschaft, der Klusbeauftragte, Heinz Lange und der Ortsvorsteher, Willi Stockmann setzten für die Wiederbeschaffung und Finanzierung der Klusengel alle Hebel in Bewegung. Diese Bemühungen waren letztendlich von Erfolg gekrönt und die Finanzierung auf Grund großzügiger Spenden gesichert. Jetzt konnte einem Holzbaumeister aus Mettingen der Auftrag für eine Nachgestaltung der Engel erteilt werden. Am 5. Januar 2007 wurden die Engel in der Klus aufgestellt und damit ist die Klus wieder in ihrer früheren Ausstattung vorhanden.

Veranstaltungen

Seit dem die alte Klus baulich wieder hergestellt, unter Denkmalschutz steht, die Glocke und die Engel wieder da sind, finden hier zahlreiche Veranstaltungen statt: Hochzeiten, Einsegnungen zu Ehrenhochzeiten, Taufgottesdienste, Urnenbeisetzungen, Klusan- und Passionsdachten, Lesungen, Silvesterblasen zum Jahresschluss statt.

Ein wenig Zahlenwerk:

2010     37 Veranstaltungen mit                      1.254 Besuchern
2011     22 Veranstaltungen mit                         753 Besuchern
2012     20 Veranstaltungen mit                         957 Besuchern
2013     30 Veranstaltungen mit                      1.094 Besuchern
2014    31 Veranstaltungen mit                      1.249 Besuchern
2015    29 Veranstaltungen mit                         938 Besuchern
2016    31 Veranstaltungen mit                      1.399 Besucher

Adresse

Kösterstraße 8, 32339 Espelkamp

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